Diagonale Schuppung mit Schneid und Glanz

Klein-Klein kam nicht infrage

Im anschliessenden Gespräch mit PREFARENZEN vermittelte Tilla Theus, wie wichtig ein eingespieltes Team für die architektonische Praxis ist und wie sehr sie Materialien und deren Haptik schätzt. So bewies sich auch die Atmosphäre der Schweizer Baumuster-Centrale als perfekt, um über Architektur zu sprechen.

Wer mit Tilla Theus baut, erhält ein starkes und kompetentes Gegenüber. „Ich möchte den gesamten Produktionsprozess verstehen. Wie sollte ich sonst etwas weiterentwickeln können?“ Ihr erstes Projekt hatte ein Baubudget von über sieben Millionen Schweizer Franken. Klein-Klein kam für die Architektin von Anfang an nicht infrage, was nicht heisst, dass sie sich nicht um Details kümmert. Sie achtet genau darauf, dass alles zusammenpasst. Mit eigens entwickelten Verarbeitungsprozessen bietet Tilla Theus ihren Auftraggebern ausserdem gestalterische Lösungen, die gezielt über gegebene Standards hinausgehen. „Ich will weiterkommen“, erläutert sie, was sie technisch wie architektonisch meint, „und gebe nie auf. Das sollten junge Architekten übrigens auch nicht tun.“ In ihrem Vortrag „Diagonale Schuppung“ hatte sie bereits demonstriert, dass selbst hohe Baukosten nicht unbedingt ein Grund für Kompromisse sein müssen. Es sei wichtig, sich dadurch nicht die eigene Kreativität nehmen zu lassen.

Frau mit Tempo und Schneid

Inspiration findet die Architektin des Öfteren in anderen Bereichen. „Meine Neugier für Mode ist die gleiche wie für Gebäude. Viele Menschen verstehen diese besser als Architektur. Deshalb verwende ich gerne Begriffe aus der Mode, um Architektur zu erklären.“ Tilla Theus spricht von Stoffschichten und Stoffmustern als haptisches Erlebnis. Mode und Architektur seien ähnliche Experimentierfelder. Der Unterschied beider Metiers läge in der Zeitlosigkeit und Beständigkeit der Architektur, fügt sie hinzu.

Tilla Theus ist eine Frau mit Tempo und Schneid. Den Besuch in der Baumuster-Centrale nutzt sie selbstverständlich für einen Rundgang durch die mit Materialmustern gefüllten Regale. Neugierig streicht sie über die Boden- und Sandsteinvarianten, sucht etwas Bestimmtes. Um den direkten Bezug zu Herstellern und Verarbeitern, zu Baumaterialien und Produkten zu behalten, hat sie bisher ausschliesslich regional gebaut. „Ich möchte meinem Team und mir die Komplikationen ersparen, die internationales Bauen mit sich bringt.“ Intensive, gemeinsame Arbeiten wie mit PREFA Schweiz gelingen, weil man sich noch persönlich begegnen kann.